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Erlebnis Auslandspraktikum

04.07.2019. Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung zur Tourismuskauffrau zieht es mich raus in die Welt. Ich wage den Schritt ins Ausland und beschließe, für knapp sieben Monate nach Costa Rica zu gehen, um Erfahrungen zu sammeln, mich weiter zu entwickeln und das Land kennen zu lernen. Das Leben hier ist sehr anders als in Deutschland. Was während meiner Auslandszeit passiert, halte ich in diesem Blog fest.

Ich wünsche viel Spaß beim lesen,

eure Maike

Gestrandet: Ein Nachmittag an der Bushaltestelle

Nach einigen Differenzen zwischen mir und Rainer beschließe ich, mein Praktikum an anderer Stelle in Costa Rica fortzuführen. Für meinen neuen Arbeitsplatz nehme ich den Weg zurück nach San Josè auf mich. Doch der Vorteil einer abgelegenen Bleibe in unberührter Natur wie dem Hotel Paraiso del Cocodrilo kann ganz schnell zum Nachteil werden, wenn man diesen Ort wieder verlassen möchte. Und nicht mehr weg kommt…  

Endstation Exil

Ich schaue mich um. Links von mir: Unbegrenzte Wiesenflächen. Rechts von mir: Beginnender Urwald. An mir vorbei führt eine schmale Straße, auf der seit 10 Minuten kein Auto mehr entlang gefahren ist. In diesem Moment wird mir bewusst, wie überlebenswichtig Handyempfang und Internetverbindung sein können. Leider habe ich letzteres gar nicht und ersteres nur begrenzt. Gegenüber auf der Weide röhrt eine Kuh. Es ist ein langgezogener, wehleidiger Laut und spricht mir direkt aus der Seele. Denn ich bin gestrandet. Mit zwei Koffern sitze ich in einer schäbigen Bushaltestelle und diese Bushaltestelle befindet sich mitten im Nirgendwo. Wie bin ich hier hingekommen? Indem ich weg wollte.

mein neues Zuhause

Zurück nach San Jose

Hier fährt um ein Uhr ein Bus nach San Josè, erklärt mir Rainer und lädt mich und mein Gepäck einige Minuten vorher an einer Haltestelle aus. Das ist auch vollkommen richtig gewesen, nur war dieser Bus leider so überfüllt, dass es keinen Platz mehr für mich und meine Koffer gab. „Der nächste kommt in vier Stunden“, lässt mich sein Fahrer ebenso teilnahmslos wie genervt wissen, bevor er die Tür wieder schließt und schnell weiterbraust. Ich verweile noch einige Sekunden mit offenem Mund meine Koffergriffe links und rechts in der Hand. Nachdem ich aus meiner Schockstarre wieder erwacht bin, setze ich mich erstmal zurück ins Wartehäuschen – meinem neuen Zuhause. Es ist unbequem, heruntergekommen und dreckig. Ich beschließe, hier auf keinen Fall vier Stunden auf den nächsten Bus zu warten. Doch was nun? Es gab in dem Moment nur zwei Personen, die mir vor Ort hätten helfen könnten, und keine davon erreichte ich. Jedenfalls vorerst nicht.

In Barco Quebrado

Ich habe es mir in der Bushaltestelle so wohnlich wie möglich gemacht. Es ist Knabberzeug ausgepackt und mit Rucksack und Jacke ein wenig Komfort auf der Bank geschaffen. Ich esse, lehne mich mit meinem provisorischen Rucksack-Kissen zurück und versuche vergebens, Rainer oder Elena zu kontaktieren. Ab und zu düst ein Moped an mir vorbei. Die Fahrer starren mich allesamt an. Ob es daran liegt, dass ich weiß bin, dass ich alleine in dieser einsamen Bushaltestelle rumliege oder dass ich mit meinem Gepäck aussehe wie bestellt und nicht abgeholt – keine Ahnung. Ich fühle mich einfach nicht wohl in meinem neuen „Zuhause“. Nach etwa einer halben Stunde beschließe ich, von dort auszuziehen. Meine neue Bleibe: Ein Imbiss etwa 20 Meter von der Haltestelle entfernt. Das einzige Zeichen menschlicher Zivilisation in näherer Umgebung. Ich befördere mein „Mobiliar“ bzw. meine beiden Koffer über die teils steinige und verschlammte Straße. Selbst dieser kleine Weg ist schon beschwerlich, was ausschloss, es zu Fuß zurück zum Hotel Paraiso zu machen. Ohne Machete und mit einem Freigepäck von 40 kg auf Plastikrollen statt Geländereifen praktisch aussichtlos. Das fatale daran: Eigentlich trennen mich hier nur 15 Fahrminuten vom Hotel – aber eben offroad durch den Dschungel.

Aus dem Imbiss trällert fröhliche Latinomusik, die ganz und gar nicht meiner Laune entspricht. Mit grimmigem Blick rolle ich meine beiden Koffer neben einen freien Tisch und setze mich.

Koffer eins, Koffer zwei, Rucksack und Jacke

Da ich mich auf eine längere Wartezeit einstelle, ordere ich Limonade und eine Art Costa Ricanische Currywurst mit Pommes, die sogar ganz gut schmeckt.

Die Bedienung ist sehr nett. Weil ich keine Ahnung habe, wo ich mich hier eigentlich befinde, frage ich sie nach dem Namen der Gegend. „Barco Quebrado“ lautet die Antwort, bevor sie mit einem Lächeln wieder hinter dem Tresen verschwindet.

Nach etwa einer Stunde bekomme ich auf meinen Hilferuf sogar eine Antwort von Rainer. Er könne mich nicht abholen, da er bereits drei Stunden von mir entfernt sei. Drei Stunden? Obwohl er mich erst vor 60 Minuten an dieser Bushaltestelle abgesetzt hatte? Wahnsinn. Ich komme nicht umhin, Rainers Fahrstil ein weiteres Mal zu bewundern. Da unser Arbeitsverhältnis beendet ist, ist ihm leider auch egal, was von nun an mit mir geschieht. Ich hake ihn ab und konzentriere mich darauf, Elena zu erreichen. Sie ist praktisch meine Vorgängerin. Arbeitet inzwischen ebenfalls nicht mehr bei Rainer, wohnt aber noch in der Nähe. Und besitzt ein Auto. „Ich stecke in Schwierigkeiten“, lasse ich sie nach einigen vergeblichen Anrufen per SMS wissen. In Kürze schildere ich die Situation und bitte Sie, mich in „Barco Quebrado“ abzuholen. Dann bleibt mir nichts weiter übrig als abzuwarten.

Und wenn sie nicht abgeholt wurde, wartet sie noch heute

im Black Marlin

Die Holzstühle sind auf Dauer unbequem. Ich versuche vergeblich, eine angenehmere Sitzposition zu finden. Es trällert weiterhin übertrieben laute Latino-Musik durch den Imbiss. Ich werde von Mücken zerstochen. Die Hitze macht mich fertig. Die Kleidung klebt. Ich fühle mich sehr elendig. Offenbar ist die Barfrau traurige, ewig wartende Gestalten wie mich gewohnt. Sie sagt nichts dazu, als ich ein Nickerchen mit dem Kopf auf der Tischplatte einlege.  

Zwei Stunden sind vorüber. Von Elena noch keine Reaktion. Da zum Glück mein ganzes Hab und Gut griffbereit neben mir steht, versuche ich, das Beste aus der Situation zu machen und mir anderweitig die Zeit zu vertreiben. Ich schreibe Tagebuch. Ich lackiere mir die Nägel. Ich putze mir Reste der Currywurst aus den Zähnen. Ich dokumentiere die Situation anhand von Bildern. Ich zweifle, bange, hoffe, ich starre immer wieder auf mein Handy. Zweieinhalb Stunden. Im Fernsehen läuft die Costa Ricanische Version von „GZSZ“, die Musik ist aus. Eine willkommene Abwechslung. Ich verstehe nicht viel von den Dialogen, verfolge das Geschehen auf dem Bildschirm dennoch gebannt. Die Barfrau tut es mir gleich. Drei Stunden. Die Serie ist vorbei, es läuft wieder laut Musik. Ich tröste mich mit einer Cola und versuche weiterhin Elena zu erreichen.

Da mir die Ideen ausgehen, beginne ich im gebrochenen Spanisch eine Unterhaltung mit der Barfrau. „Nein, es fährt kein weiterer Bus nach San Josè heute. Das ist nur einmal am Tag.“, antwortet sie mir sinngemäß auf die entsprechende Frage. „Aber der Busfahrer meinte, in vier Stunden kommt der nächste Bus.“ – „Der fährt nicht nach San José. Nur bis Nicoya.“ –„Gracias.“ Ich kehre mit versteinertem Lächeln zu meinem Tisch zurück. Selbst wenn ich – was inzwischen ja realistisch wäre – hier ausharrte und den nächsten Bus um 17:00 Uhr nehmen würde – vorausgesetzt natürlich, dieser würde mich nicht wieder stehen lassen – käme ich damit nur nach Nicoya, wo ich höchstwahrscheinlich die Nacht verbringen müsste. Einer Anwandlung leichter Hysterie ist es zu verdanken, dass ich (anstatt in Tränen auszubrechen) das ganze mittlerweile lustig finde.

es kann nicht schlimmer werden

Die Cola in der Hand lache ich teils leise vor mich, teils wippe und summe ich im Takt zur Latinomusik. Dreieinhalb Stunden.

Die Rettung

Und plötzlich, als ich schon gar nicht mehr damit rechne, ein lautes Vibrieren, das den Eingang einer rettenden SMS ankündigt. „Oh Maike, das tut mir leid! Sitzt du noch da? Soll ich dich abholen?“ Nach 3 Stunden und 40 Minuten, kurz bevor tatsächlich der nächste Bus gekommen wäre, werden ich und meine beiden Koffer von Elena eingesammelt. Ich werde ihr ein Leben lang dafür dankbar sein.

Die gute Nachricht: bei einem erneuten Anlauf am nächsten Morgen – diesmal von einer Haltestelle in Samara aus – hat es geklappt. Ich habe San Josè unbeschadet und mit vollem Gepäck erreicht. Die schlechte: Nun ja, ich habe einen Nachmittag Lebenszeit an einer Bushaltestelle verschwendet.

Im Nachhinein hat das ganze eine gewisse Komik. Was ich aufgrund meiner schlechten Spanischkenntnisse erst zwei Tage später von meinen neuen Arbeitskollegen erfahren habe: „Barco Quebrado“, wo ich für mehrere Stunden unfreiwillig festsaß, bedeutet so viel wie „Schiffsbrüchiger“. Die Bushaltestelle, ein geschichtsträchtiger Ort. Offenbar wurden hier schon viele Tragödien wie diese geschrieben.

Abenteuer-Trip nach Nicoya

Nach etwa einer Woche Aufenthalt in Samara beschließen Rainer und ich einen Ausflug nach Nicoya zu machen. Eine Deutsche Familie, die zurzeit Gäste im Hotel sind, schließt sich uns an.

Dieser Weg wird kein leichter sein

„STRAßENHÜGEL!“, rufe ich laut, als ich vor uns die Gefahr erkenne, und drei zusammengequetschte, nicht angeschnallte Passagiere auf der Rückbank unseres Jeeps klammern sich hektisch an Fensterrahmen, Türgriffen und aneinander fest. Wenn es gut läuft, knallt keiner mit dem Kopf gegen das Wagendach.

Jemand, der viel reist, ist zum Glück an artenverwandte Situationen gewöhnt. Säßen wir beispielsweise in einem Flugzeug, würde uns eine Stewardess jetzt bitten, Sicherheitsgurte anzulegen und die Tische hochzuklappen, um den zu erwartenden Turbulenzen die Stirn bieten zu können.

WUMPPP-KRACKSSS-KAWUMM! – Es folgen einige Sekunden der Erschütterung, die von einem verrückten Lachen aus Richtung des Fahrersitzes begleitet werden. Dann haben wir vergleichsweise glimpflich auch diese Hürde überwunden. Die drei Dummy Puppen auf den hinteren Sitzen atmen erleichtert auf und lassen sich wieder los. Eine davon – die in der goldenen Mitte –  bin ich.

Anschnallen ist in Costa Rica verboten

Schon allein die von Schlaglöchern und kleinen Hügeln durchsetzte Straße nach Nicoya ist ein Abenteuer für sich. Sicherheitshalber hat man ihr hier und da noch eine Bodenwelle hinzugefügt, damit es auch auf vergleichsweise ebenen Abschnitten der Strecke nicht zu langweilig wird.

„Anschnallen ist in Costa Rica verboten!“, hatte Rainer beim losfahren fröhlich gerufen – eine Sekunde bevor er gefühlt das Gaspedal durchgetreten und den Wagen von seinem Grundstück gen Stadt hatte schießen lassen. Meine Begleiterinnen und ich, allesamt von der plötzlichen Beschleunigung überrascht, warfen einander viel sagende Blicke zu. Wir beschlossen, uns in diesem Falle lieber an die Regeln des Deutschen Straßenverkehrs zu halten und ergriffen unsere Sicherheitsgurte. Um dann festzustellen, dass es gar keine Gegenstücke zum Gurt gab, in denen letzterer einrasten konnte. Schade.

Ankunft in Nocoya

Nach einer Dreiviertelstunde sind wir endlich am Ziel angekommen und steigen leicht durchgeschüttelt und zerknautscht aus dem Wagen. Wir recken unsere Glieder und sind neugierig, die Stadt zu erkunden.

Eine ganze Weile schlendern wir durch die Straßen des lauten und bunten Nicoyas, der Hauptstadt von Guanacaste, machen einen Abstecher bei der Bank und bei Ekono, dem Cotsa Ricanischen H&M. Alles ist sehr auf Sicherheit bedacht: Vor Eintritt in die Bank wird man von der Security untersucht, nach dem Herausgehen aus dem Klamottenladen wird der Bon der gekauften Ware abgezeichnet.

Käffchen im CanelAzul

satt und zufrieden

Danach beschließen wir, dass es Zeit für eine kleine Pause ist. Wo kann man in so einer lebhaften Stadt jedoch in Ruhe Kaffee trinken und entspannen? Die Antwort lautet im „CanelAzul Cafe“, einem absoluten Insider-Tipp. Ganz neu eröffnet und in einem Hinterhof gelegen kann man hier fern der lauten Hauptstraße verweilen: was für eine angenehme Abwechslung! Es werden neben Costa Ricanischen Leckereien jede Menge verschiedene Getränke angeboten.

kleine Stärkung im CanelAzul

Von Kaffee über hausgemachte Limonade bis hin zum Smoothie ist die ganze Bandbreite vorhanden. Und noch eine weitere Kostbarkeit hat unser neues Lieblingscafè in Petto: Ventilatoren! So ein Städtetrip bei tropischen Temperaturen ist wirklich schweißtreibend.

#Chao Plàstico Desechable

Etwa eine Stunde sitzen wir dort auf der überdachten Holzterrasse und genießen in modernem Ambiente selbst gebackenen Kuchen und Hähnchen-Wraps. Ein weiterer Pluspunkt: Das CanelAzul ist mit einem Award ausgezeichnet, denn auch hier wurde dem Plastikmüll der Kampf angesagt.

sehr vorbildlich im Kampf gegen Plastikmüll

Unsere Fruchtshakes genießen wir aus wieder verwendbaren Metallröhrchen, dem fortschrittlicheren Bruder des Strohhalms.

Besuch auf dem Lebensmittelmarkt

Dann ist es Zeit, letzte Besorgungen auf einem Markt zu machen.

„Wie viel für eine Melone!?!“ brüllt Rainer den Verkäufer eines Obststandes auf Spanisch an. Jedenfalls wäre es nach Deutschen Maßstäben zu urteilen ein Brüllen. Hier jedoch gilt sowas als normale Konversation. „3000 Colones!!!“, kommt die Antwort nicht weniger leise hinter einem Berg aus Papayas. Das lautstarke Verhandeln von Preisen gehört hier zum guten „Ton“ und ist keinesfalls unfreundlich gemeint. Nach einer Weile gewöhnt man sich an das freundliche angebrüllt werden.

Vollgepackt mit Bananen, Mangos und jeder Menge Gemüse verlassen wir schließlich den Markt und machen uns auf den Heimweg. So gut es geht befestige ich die Melone, damit sie sich nicht beim nächsten Hügel in ein Artilleriegeschoss verwandelt und einem von uns gegen den Kopf hüpft. Netterweise fährt Rainer diesmal sogar ziemlich vorsichtig. Aus Rücksicht auf die Lebensmittel natürlich. Avocados zum Beispiel vertragen eben nicht so viele Schlaglöcher wie Praktikanten. 

Undercover ins Paradies

Und so beginnt das Abenteuer: Ich gehe für ein halbes Jahr nach Costa Rica und mache dort ein Praktikum in der Tourismusbranche. Mein erster Blog dreht sich um die Anreise.

Schwitzen am Schalter

Warum bin ich nicht einfach Zuhause geblieben, dachte ich mir, als ich morgens am 04. Juli in Hamburg am Flughafenschalter stand. Ich war müde, zeitgleich aufgeregt und hatte wurde von Magenschmerzen geplagt. Und ich war dabei mich weit, weit weg von Zuhause zu begeben.

„Ich mache in Costa Rica drei Wochen Backpacking und ziehe dann weiter nach Nicaragua. Insgesamt bin ich für ein halbes Jahr in Mittelmarika“, antwortete ich möglichst gelassen auf die Frage, wie lange ich denn vor Ort bleiben wolle. Lügen war noch nie meine Stärke, doch ich war zufrieden mit meiner „Performance“.

mein Handgepäck für insgesamt 14 Stunden Flug

„Wir müssen irgendeinen Nachweis haben, dass Sie Costa Rica wieder nach spätestens 90 Tagen verlassen.“, erklärte die Mitarbeiterin der Lufthansa mir mit Blick auf mein Rückflugticket von San Jose nach Hamburg. Es war für den 26. Januar 2020. „Sie bräuchten ja sonst ein Visum.“

Rainer, der Hotelmanager, hatte mir gesagt, dass ich höchstwahrscheinlich hierauf angesprochen werden würde. Wohlweislich hatte er mir außerdem ein Busticket nach Nicaragua besorgt, um es für diesen Fall vorzeigen zu können. Datiert war es jedoch versehentlich auf den 23.10.19 und passte somit weder zu meiner Aussage noch kam es als Nachweis für einen Dreimonats-Aufenthalt in Frage. SHIT.

Eine lange Reise: müde aber glücklich

Leider war mir das erst morgens auf dem Weg zum Flughafen aufgefallen. Ich beglückwünschte mich innerlich zu meinem herausragenden Organisationstalent und legte das Dokument dennoch auf den Tresen, wo die Dame es studierte. „Ich muss meinen Chef holen“, sagte sie plötzlich und stand abrupt auf.

Mein Alibi-Ticket

Jetzt begann ich Blut und Wasser zu schwitzen! Hatte Sie gesehen, dass das Datum des Bustickets mit meiner Angabe nicht übereinstimmte? Ahnte Sie, dass dies ein Alibi-Ticket war? Sie verlies ihren Schalter und lief zu einem ganz hinten in der Reihe. Unauffällig beobachtete ich, wie Sie mit einem Mann sprach, der auf das Busticket blickte, etwas erwiderte und an seinem PC hektisch zu tippen zu begann. Nach einer Weile kehrte die Dame zurück. Ich versuchte, möglichst entspannt zu wirken, obwohl mein Puls auf 180 war. „Alles in Ordnung“, sagte sie und lächelte mich an. Ich erwiderte ein scheinheiliges Grinsen, dass wahrscheinlich eher einem nervösen Zähne fletschen gleichkam. „Da es mit dem Check-in ohne zeitgemäßes Rückflugticket nicht funktioniert hat, haben wir ein fiktives Visum für Sie eingetragen.“ Mir fiel wahrlich ein Stein vom Herzen. Sie reichte mir meine Bordkarte, die wie von selbst an meinen vor Aufregung nassen Froschhänden kleben blieb. Doch das schien sie entweder nicht zu bemerken oder zu ignorieren. „Ich wünsche viel Spaß und eine gute Reise!“

Damit begann das Abenteuer.

Wilkommen in Ticolandia

Es war bereits sehr dunkel, als ich in San Jose landete. 11 Stunden Flug hatten sich gezogen wie Kaugummi.

mehr als 9000 km zwischen Frankfurt und San Josè

Erst als ich als witzigerweise einziger Fahrgast in einem Großraumtaxi saß, realisierte ich, dass ich angekommen war. Die Karre brauste mit offenen Fenstern dem Zentrum von San Jose entgegen und im Fahrtwind mit Blick auf die hell erleuchtete Stadt erwachten meine Lebensgeister. Ich genoss das Gefühl einem aufregenden Erlebnis entgegen zu fahren, das mir nun keiner mehr nehmen konnte. Das einzige, was noch zwischen mir und dem Beginn meines Hotel-Praktikums stand, war eine Zwischenübernachtung in San Jose und eine 5-stündige Busfahrt von dort nach Samara. Hier würde mich Rainer mit dem Auto abholen. Da wir bereits geskypt hatten, erkannten wir uns auf Anhieb ohne suchen zu müssen. Ich war erleichtert. Nachdem Rainer „Kind“, Kegel und zwei rosafarbene Koffer in seinem Transporter verfrachtet hatte, läutete er mit aufheulendem Motor das allerletzte Stück meiner Anreise ein. Es folgte eine 15-minütige Fahrt über eine sehr authentische, von Schlaglöchern durchsetzte Steinschotterpiste sowie die abenteuerliche Durchquerung eines kleinen, niedrigen Flusses per Auto – dann endlich spuckte mich der Transporter vor den Pforten des Paradieses aus!

Die neue Welt

Hotel Paraiso del Cocodrilo: mein Zuhause für die nächsten sieben Monate

Ich fühlte mich wie ein Siedler, der Fuß auf die „neue Welt“ gesetzt hatte. Nach einer insgesamt fast 30-stündigen, stückchenweise fortgeführten Reise von über 9000 km war ich deutlich mitgenommen endgültig am Ziel angekommen: dem Hotel Paraiso del Cocodrilo in Guanaceste, Samara. Und JA, es ist wirklich ein Paradies im kleinen Stil: Etwa 3 ha Grünfläche in einem Naturschutzgebiet mit zahlreichen Palmen, Obstbäumen, Büschen, einem Haupthaus, 13 Gästezimmern, einer Frühstücksterrasse sowie einem Pool werden die nächsten 208 Tage mein Zuhause sein. Ich staunte nicht schlecht und tat als erstes drei durch und durch sehr paradiesische Dinge wie duschen, essen und schlafen.

Auf Widersehen Deutschland. Und HALLOOO Costa Rica!

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